27.12.09
Weeze → Edinburgh
Wir
kommen zwei Stunden, wie gefordert, vor dem Abflug in Weeze an und parken am
Ende der Welt, zumindest kommt es uns so vor, meine Güte ist das voll hier. Die
Idee, über die Feiertage zu verreisen, hatten wohl noch andere? Allerdings ist
das Gefühl noch zu toppen merken wir, die Schlange zur Gepäckaufgabe übertrifft
alles, ob die wohl mehr als nur 3 Schalter öffnen können? Irgendwann erbarmt
sich wer und es geht zügiger voran, nach 25 Minuten haben wir es geschafft und
sind zumindest schon mal unsere schwere Reisetasche los, wie schön, dann können
wir ja jetzt in die nächste Schlange zur Bordkartenkontrolle. So, nur noch 3
weitere Schlangen zu besiegen, die an der Sicherheitskontrolle, der
Passkontrolle und die beim Einstieg. Micha
trifft einen BVB Fan, der seit 10 Jahren in Glasgow lebt und der beim letzten
Spiel im Stadion interviewt wurde, das hat Micha live miterlebt und sich noch
gedacht, “Mensch, den müßtest du kennen lernen, der kann bestimmt Karten für
das Spiel am 2. Januar in Edinburgh besorgen.” Das ist nun wirklich lustig,
dass er nun ausgerechnet diesen Herrn wirklich trifft, er ist auch so lieb und
probiert, Karten für uns zu bekommen, allerdings ist das Spiel wohl
ausverkauft. Ich
schau mal wieder nebenbei auf die Infotafel und ach ne, nur ein Flieger hat
Verspätung und das ist unserer... Wir warten auf die Reaktion derjenigen, die
bereits die Schlange zum Einsteigen gebildet haben, erstmal merken die gar nix,
dann mehrfaches rhythmisches ungläubiges Hinschauen Einzelner, endlich können
sie sich dazu durchringen, sich wieder zu setzen. Gute Idee, denn schließlich
sind es 2 Stunden Verspätung. Nico die Schwarzseherin sagt noch, “wenn es mal
dabei bleibt” und schwupps wird noch eine Stunde später angezeigt. Ob sie wohl
mal damit aufhören kann, sonst sind wir morgen noch hier.
Gegen
18.00 Uhr geht es dann endlich los und ziemlich hungrig und müde kommen wir
dann gegen 20 Uhr an unserm B&B an.

Das ist nicht unser B&B und auch kein Geisterschloß, das ist das Balmoral Hotel an der Princes Street
Wir lassen uns von Norrie, unserem Vermieter, noch ein paar Tipps geben, wo wir jetzt noch was Essen und Trinken
können, die erste Empfehlung das Baronys ist pickepacke voll, aber im Treacle
ergattern wir noch einen kleinen Tisch. Ziemlich müde sind wird dann auch schon
gegen 23 Uhr im Bett.
Room No 4 mit king size bed und garden view in Ramsay's B&B
28.12.09
Frühstück
um 9 Uhr, also um 8 Uhr aufstehen, ganz schön früh, aber da Nico mit Ihrer
Nasennebenhöhlen Entzündung eh nicht gut schläft seit Tagen, ist sie viel eher
wach und wir, Dank ihres Geschniefes, auch. Danke!
Das
full scottish breakfast macht ganz schön full und wir gehen gut gesättigt bzw.
stuffed gegen 10 Uhr los zum Edinburgh Castle. Micha hat mutig haggis probiert, nein danke für
uns andere. Mal sehen, ob er es morgen nochmal wagt?
Wir
nutzen die Audioguides ziemlich intensiv, obwohl wir bestimmt nicht alles
gehört haben und benötigen mehr als 5 Stunden für die Besichtigung, allerdings stellen wir auch Vertreter der so genannten Spezies der Museumsschnecken dar.

Blick von der Burg auf die New Town, den Firth of Forth und die verschneiten Berge im Hintergrund


Für
abends haben Nico und Micha einen Tisch in einem schönen kleinen Restaurant
“The Stockbridge” bestellt, wir bleiben lieber hier, zu kalt an den Pfoten und
außerdem haben wir vorhin scone und tea genossen.
Bei
-7°C machen sich N+M auf den Weg, ob das ne gute Idee ist, mit den guten Schuhen auf vereisten Fußwegen zu laufen? Na ich weiß nicht...
Als
sie gegen Viertel nach 9 Uhr zurück sind, berichten sie, dass das Essen extrem
lecker gewesen sei (Nico hatte Muscheln und Hirsch, Micha Muscheln und Steak), allerdings seien sie über
die Strassen und nicht die Fußwege gelaufen, da die wenigstens eisfrei waren.
29.12.09
Es
schneit schon beim Frühstück, wollen wir da raus? Sunny und ich entscheiden uns
für einen warmen Tag im B&B, sollen die beiden doch alleine frieren. Nico
übernimmt mal für heute ab hier.
Im Netz hatte ich gelesen, dass man besser Tickets für Mary Kings Close reservieren sollte, "ach was", gedacht und nicht schlecht gestaunt, als wir kurz vor 11 Uhr tickets kaufen wollen, es gibt nur noch welche für die 17 Uhr Tour. Na auch ok, das passt schon.
Wir erhalten unsere tickets und schwupps wird das Schild gedreht "sold out for today", das nenn ich Glück gehabt. "Closes" heißen übrigens die kleinen Gassen, die von der Royal Mile abzweigen. Dann gehen wir jetzt zu unserem nächsten Programmpunkt über, dem Scottish Whisky Experience.
Ersetzt zwar keine Führung in einer echten Destillerie, aber besser als nichts. Oh, wir haben Glück, heute ist im Preis inbegriffen eine Austellung von Whisky Herstellern und das bedeutet 4 weitere drams zum Testen, oh je, 5 Stück pro Person, ob das gut geht? Wo Micha doch keinen Whisky mag? Die Ausstellung läßt Micha aber einen sogenannten milden Einsteiger Whisky
Aberfeldy finden, der ihm schmeckt. Allerdings meint der Herr, dass wir den in Deutschland wohl nur über das Internet bekommen würden, genauso wie den Tomatin am Stand nebenan. Da gehe kaum was in den Export. Lecker finden wir auch den Glengoyne, ich finde der ist erst mild, dann scharf und dann schmeckt er nach Keks im Nachgeschmack. "Nicht schlecht", meint Micha, der sich, im Gegensatz zu mir, die Erläuterungen des Herrn am Stand angehört
hatte (ich hab derweil unseren Sitzplatz verteidigt), "allerdings ist der Keks eine Kokosnuss". Na ja fast....
Das hier ist angeblich die größte Whisky Sammlung
Wir gehen als nächstes die Royal Mile fast ganz runter Richtung Holyrood House, hier im alten Tollbooth Gebäude ist die Ausstellung People's Story, die das Leben der ganz gewöhnlichen Leute in Edinburgh von damals bis heute schildert. Es ist ziemlich frisch hier drin, daher gehen wir anschließend ein paar Häuser weiter in Clarinda’s Tearoom, um uns bei Tee und Schokolade aufzuwärmen. Erwischt, ein scone war auch dabei, Micha bestellt einen vermeintlichen Schokokuchen
aus der Auslage, der entpuppt sich als dunkler Ingwerkuchen, nicht ganz so sein Geschmack. Wir essen auch den... Bären sind Allesesser.
Bis 17 Uhr haben wir noch ein wenig Zeit, wir schlendern ganz gemütlich die Royal Mile wieder hinauf, besichtigen noch kurz St. Giles Cathedral und gehen dann in den Shop von Mary Kings Close.
Während wir so auf den Beginn unserer Tour durch Mary Kings Close warten, können wir ein unterhaltsames Schauspiel an der Kasse beobachten. Hier steht eine Italienerin, die offenbar unbedingt zu dem Gespenst der kleinen Annie in den unterirdischen Closes möchte und das jetzt und ohne Eintritt zu zahlen,
das hat sie nämlich offenbar noch nicht verstanden, das man da nicht einfach so hinunter kann. Allerdings verstand sie aber auch gar nichts von dem, was die Frau an der Kasse ihr nahe bringen wollte, bis die es endlich geschafft hatte, der Dame klar zu machen, dass sie heute die Closes nicht mehr besichtigen könnte, da war die Schlange schon beträchtlich angewachsen... tickets hat sie dann übrigens doch keine gekauft auch nicht für morgen. Merkwürdig. Die Tour ist ganz nett, bis auf den guide der erzählt
von Gott und der Welt und wenig von hier unten, so richtig sympathisch ist er uns nicht. Glücklicherweise haben wir die kostenlos angebotenen audioguides für Fremdsprachler angenommen und da erfahren wir das, was wir eigentlich von ihm hätten hören sollen. Noch einen Vorteil haben die, wir können immer ganz beschäftigt tun, dann läßt er uns in Ruhe. Der guide hat nämlich offenbar die Angewohnheit, seine stories immer nur einem Gast zu erzählen und dabei rückt er demjenigen ganz schön auf den Pelz. Eine Familie,
die es gerade traf, versucht durch geschicktes Manövrieren möglichst weit weg von ihm zu kommen. Er hat sich aber auf sie eingeschossen und schwupps steht er wieder neben ihnen. Nach etwas über einer Stunde sind wir aus der Unterwelt wieder aufgetaucht und freuen uns jetzt auf die Torchlight Procession.
Die Menge versammelt sich auf der Royal Mile, noch ist uns die Orientierung des Fackelumzuges nicht klar, in Höhe der St. Giles Cathedral finden wir Wikinger und Piper. "Die laufen doch nicht hinterher, sondern vorne weg, also ist hier vorne", befindet Micha. Um halb 7 soll es losgehen mit der Torchlight Procession, hm, Zeit vergeht und der Zug steht. Dann ein oder zwei Feuerwerksraketen von der Burg, ah, das war wohl das Signal, es geht los. Wir laufen erst neben der Truppe her, treffen aber immer auf stehende photographierende Menschen, also entschließen wir uns kurzerhand, ein Teil des Zugs zu werden, fädeln und kurz hinter den Pipern ein, damit wir auch was von der Musik hören und laufen einfach mit. Am Ende der Horde hätten wir auch keine Chance, was zu hören,
denn der ganze Troß ist mindestens eine Meile lang. Norrie hatte uns gesagt, dass nicht alle Menschen auf dem Calton Hill zum Feuerwerk Platz hätten, da wir so weit vorn sind, malen wir uns gute Chancen aus, dabei zu sein. Allerdings wächst der Zug immer weiter in die Breite und Länge, so dass am Rand stehende Zuschauer sich plötzlich mitten im Zug wiederfinden. Am Fuße des Hügels sehen wir auch ein Schild am Tor zum Calton Hill, welchens auf etwaiges Schließen desselben bei zu großem Andrang hinweist. Wir sind
aber so gut dabei, dass wir problemlos mit hinauf können.

Auf dem Calton Hill ergattern wir einen guten Platz, von hier können wir prima das Bonfire und auch das anschließende Feuerwerk sehen. 12.500 Leute haben sich hier eingefunden sagt die Durchsage, ganz schön beeindruckend. Wir kämpfen gegen den eisigen Wind,
der zu allem Überdruss ständig heißes Wachs und Funken von den Fackeln herüberweht.

Bonfire in der Form eines X, als Symbol für die 10 in 2010
Als das ganze Spektakel für beendet erklärt wird, tja kleines Problem, es geht den gleichen Weg hinunter wie hinauf, der ist aber von tausenden Leuten belegt, die noch hinauf wollen und das Ende noch gar nicht mitbekommen haben, es herrscht ein ganz schönes Gewusel. Nico ist sicher, dass wir, wenn wir zum hochgelobten Fish und Chips Restaurant "The Tailend", das wir und
für heute abend ausgeschaut haben, wollen, auf die Nordseite des Hills müssen. Der Weg geht aber die Südseite runter und ist, na ja ein wenig crowded. Wir erspähen ein Pärchen, das vorsichtig versucht, den steilen, unbeleuchteten Nordhang des Hügels hinunter zu gelangen. Hm, kurzes Überlegen, ach was, das können wir auch, und wie das so ist, wenn erst mal einer anfängt, nach einer Weile sind wir eine recht große Gruppe geworden, die sich hier hinabkämpft. Der guard am Fußende des Hügels motzt ganz schön, als
die Horde an seiner Absperrung vorbei stürmt und schlittert.
Unten angekommen, müssen wir uns erst mal orientieren, gar nicht so leicht, da dieser Platz hier nicht auf der Karte verzeichnet ist... wir sehen etwas hilflos aus und bekommen prompt lokale Hilfe, die uns den rechten Weg weist. Ziemlich erledigt kommen wir im Tailend an und genießen um so mehr einen heißen guten Fisch und ein kaltes Bier. Glücklicherweise ist das hier nicht so
weit
weg vom B&B und wir brauchen nur ca 10 Minuten durch die Eiseskälte bis in unser warmes Bett. Micha hat auch nasse, kalte Füsse, ist auf dem Hügel in eine Riesenpfütze getreten, tja Schuhe nicht imprägniert! "Das hätte bei der Pfütze auch nicht geholfen", meint er.
30.12.09 Minibustour durch die Highlands
Oh
Bär, ist das früh. Die Minibustour durch die Highlands startet um 8 Uhr da
müssen wir ziemlich früh aus den Federn. Nico wollte uns allerdings mit der Tour ne Freude
machen, damit wir auch ein wenig von der schottischen Landschaft sehen
und nicht nur die Stadt, schließlich waren Sunny, Micha und ich noch nicht
hier. Allerdings ist es auch für Nico neu, Schottland komplett mit Schnee
bedeckt zu sehen, das hat sie auch noch nicht erlebt. Kein Kunststück, wenn man
bisher nur im Sommer hier war...
Wir
verlassen Edinburgh im Dunkeln und bekommen gleich mit auf den Weg, dass wir an
den Stopps nicht zu spät kommen sollen, denn schließlich wird es gegen 16 Uhr
schon wieder dunkel, gegen 20 Uhr sollen wir dann wieder zurück sein, na dann
mal los. Wir sind voll besetzt mit 16 Personen plus Fahrer, der auch
gleichzeitig unser guide ist. Meine Güte kann der viel erzählen, fast pausenlos
erzählt er reichhaltig mit Geräuschen und Gestik unterstrichene Geschichten aus
der schottischen Geschichte. Immer passend zu der Stelle an der wir gerade
vorbeikommen. Kommt in der story eine Burg o.ä. vor zeigt er aus dem Fester und
da ist sie dann auch. Der hat Spaß beim Erzählen, das live an 56 oder waren es 57? Messerstichen. Außerdem
scheint unserem guide die Kälte im Gegensatz zu uns nicht viel auszumachen, hier liegen
z.T. 30 cm Schnee, es fegt ein eisiger Wind, N+M haben 3 Jacken übereinander an und
der Herr trägt nur einen Kilt. Brrrr. Sogar uns mit Fell ist esoft so kalt, dass wir nicht an allen Photostopps mit aussteigen.

Seht ihr auf dem Bild oben rechts den kleinen Menschen im Schnee? Das ist unser guide.

Allerdings schicken wir Micha mit der Kamera raus.
An
einer Stelle bleiben wir mit dem Minibus im Schnee stecken als unser Guide auf
einen Parkplatz für einen Photostopp abbiegen will. “Keine Chance, dass ich
schiebe”, meint Nico. Der Guide ist schon ziemlich hart drauf, erst in der Kälte
nur mit Kilt und jetzt schaufelt er mit bloßen Händen Schnee. Schotten scheinen
ziemlich abgehärtet zu sein, ähnlich wie die Iren, ich denke nur an die Leute
im T Shirt in Irland zu Ostern und N+M hatten noch Winterjacken an. Das ist
hier wohl so ähnlich.
Wir
passieren Sterling, eine Reihe Lochs und fahren durch Glencoe am frei sichtbaren Ben Nevis vorbei nach Fort Augustus.

Glencoe

Fort Augustus, Loch Ness
Nach dem ehrfürchtigen Blick auf Loch Ness eilen wir ins nächste Pub, um uns ein wenig aufzuwärmen, naja ein
wenig was zu Essen und zu Trinken ist auch dabei. Auf dem Rückweg ist gegen
halb 6 noch ein Tea und Guinness Stopp in Pitlochry drin, was in etwa so ist,
wie Nico es in Erinnerung hatte touristisch und viele knitwear shops. Allerdings
entpuppt sich das nächstgelegene Pub als ganz nett mit Feuer im Kamin und
Kerzen auf den Tischen.
Leider
können wir die Firth of Forth Bridge nicht bewundern, da sie wegen eines
Unfalls gesperrt ist und wir wieder über Sterling nach Edinburgh zurückkehren,
na ja wer weiß was wir im Dunkeln überhaupt gesehen hätten.
Die
amerikanische Familie, die hinter uns sitzt, ist ein wenig enttäuscht von der
Tour, da sie nur wegen Loch Ness mitgefahren sind und in das Nessie
Visitorcenter wollten, das ist aber nun mal nicht in Fort Augustus. “Hm, klarer
Fall von schlecht vorbereitet”, meint Nico, “das wäre uns nicht passiert.”
Wir
sind voll und ganz zufrieden, haben viel Landschaft gesehen und unterhaltsame
Geschichten gehört, allerdings scheinen wir und die amerikanische Familie, die
Einzigen zu sein, die ein Trinkgeld geben, ziemlich schade.
31.12.09
Wir dürfen ein wenig länger schlafen und gehen erst 9.15 Uhr zum Frühstück. Heute
geht es ins National Museum, schließlich ist es kalt und windig mit Schneeregen
angesagt. In der Eingangshalle findet heute ein Folklore Tanzkurs mit Musik statt, ein ziemlich lebendiges Museum also, bei einem Tanz für die kleinen Kinder bricht aber wegen mangelnder Qualität der Anweisungen das Chaos aus, was dem Spass an der Sache, den alle haben, aber keinerlei Schaden zufügt. Sechs Stunden bis zum Schließen braucht Nico, um alles zumindest oberflächlich anzusehen, dafür kann sie allerdings jetzt auch die schottischen Kings ab Robert the Bruce auswendig... jetzt sie ist doch tatsächlich gerade noch mal in eine Galerie zurückgelaufen, weil sie wissen will, wie Queen Anne in die Reihe passt.

Unser obligatorischer HRC Besuch ist jetzt dran, schließlich sind wir deshalb hier. Ok, ok natürlich auch
wegen Hogmanay der mehrtägigen Silvesterfeier. Empfehlung von Nicos Eltern: Dem "Standing Order",
einem Pub in einer ehemaligen Bank, einen Besuch abstatten. Gerne! Wir bleiben auf mehrere Bier und 2 Hamburger, naja ein Fruit Crumble war auch noch dabei.

Auf dem Weg zum Standing Order Seitenstarsse in der Old Town Gut sortierte Bar im Standing Order
Heute Nacht sind deutliche Minusgrade angesagt, daher wollen wir nicht von 21 Uhr an
auf der Strasse stehen,
auch wenn die Feier und Musik dann schon anfängt, also gehen wir noch für 2
Stündchen zurück, (müssen wir sowieso, da Nico vergessen hat, die Tickets für
die Strassenparty mitzunehmen). Im Zimmer finden wir Sekt und Pralinen
(schottischer Silvesterbrauch?),
echt lieb von den B&B Besitzern, die sind sowieso ganz besonders herzlich
und hilfsbereit.
Gegen
22 Uhr machen wir uns auf zur Princes Street, es ist schon ziemlich voll und es
kommen noch viele mehr, so dass wir uns nach einer Weile nicht mehr vernünftig
herumlaufen können, ohne ständig angerempelt zu werden. Also suchen wir uns ein
gutes Plätzchen, von dem aus wir die Burg gut im Blick haben und was sollen wir
sagen, das Feuerwerk ist so ziemlich das Beeindruckenste, was wir in dieser Hinsicht bisher gesehen haben. Die -6°C halten uns von weiterer Feierei ab, vor allem bei Frau sind hier
gerade wohl extrem kurze Röcke im Mode... auch ne feine Sache bei minus
6 Grad.... wir machen uns lieber auf den Heimweg, auf der ziemlich abschüssigen St. Andrews Street entdecken einige,
dass man hier prima
Schlittern
und auf dem Hinterteil mit und ohne Plastiktüte an demselbigen bewaffnet auch
prima Rutschen kann. “Das gibt noch ein paar Brüche”, meint Micha, “wenn die
alle noch mehr getrunken haben.” Wir sind nüchtern, auf die Dixieklos am Strassenrand wollten
wir nämlich nicht müssen und so haben wir beschlossen, nichts auf der Feier zu
Trinken und sind bereits um kurz vor eins im Bett. Jetzt haben wir Gelegenheit, wenigstens mit einem Gläschen Sekt aus
der geschenkten Flasche Cava auf das neue Jahr anzustoßen. So nüchtern haben wir noch kein neues Jahr begangen.
01.01.2010
Die Nachrichten sagen, es waren gestern trotz der eisigen Temperaturen 80.000
Menschen bei der Strassenfeier, das waren schon verdammt viele und dabei gab es
nur 4 Verhaftungen und 5 Leute mußten behandelt werden, also eine durchaus
friedliche Angelegenheit. Ich möchte nicht wissen, was bei den angeblich 1
Million Teilnehmern in Berlin los war... ob das auch so friedlich abgelaufen
ist?
Hier
in Schottland gibt es den Brauch des first footings, angeblich bringt es Glück,
wenn der erste, der das Haus im neuen Jahr betritt, ein dunkelhaariger junger
Mann ist der Geschenke (ein Stück Kohle, Whisky, Shortbread...) mitbringt. “Micha
sei früher mal dunkelhaarig gewesen bevor er grau wurde”, meint Nico zu Sharon,
Die meint nur “no matter if grey dark or bald as long as not blonde” Es bringt
der Sage nach Unglück wenn der Mann blond ist, kommt angeblich von den
Wikingern, die hier früher gerne mal einfielen. Als gute first footer wollen
wir doch unseren Vermietern noch eine Kleinigkeit mitbringen und besorgen im
Whisky Experience Shop eine kleine Aufmerksamkeit für Sharon, Norrie und ihre
Tochter Morgan. Das kleine Stoffschaf findet Nico so niedlich, dass sie es fast
auch für sich mitgenommen hätte.
Den
Vormittag verbringen wir mit der Audiotour im Holyrood Palace und einem Besuch
im Palace Café. Hier im Park des Palastes findet heute ein Charity Lauf von
Kindern und Eltern statt, dessen Besonderheit ist, dass die Läufer Schlafanzüge
tragen. Kleidung ist hier eh so ein Thema, wir sehen bei den eisigen
Temperaturen und rutschigen Strassen viele Männer in Kilt oder kurzen Hosen,
Frauen in kurzen Rocken oder in Stöckelschuhen ohne Strümpfe... einfach
unglaublich.
Auf
dem Weg zum Lawnmarket treffen wir die Amerikaner von Rabbies Tour und können
ein Happy New Year wünschen. Jetzt kennen wir schon Passanten auf der Strasse
hier, tststs, man merkt dass wir recht lange hier sind :-)
Wir
kehren zum Aufwärmen bei einem kalten Bier im “The last drop” auf dem
Lawnmarket gegenüber der Stelle, wo früher die Hinrichtungen stattfanden, ein. Um
16 Uhr startet die fire installation des Strassenkünstlers Carabosse und darauf
wollen wir im Warmen warten. Das mit dem Feuer ist zwar nicht spektakulär aber
einfach nur wunderschön.
Fire installations von Carabosse, das eine Gebilde hängt wie ein riesiger Kronleuchter mitten über der Royal Mile
Zum Abendessen möchten wir ins empfohlene Thai Orchid, alles reserviert, wie doof,
aber wenn wir mit 1,5 h zufrieden wären, dann könnten wir einen Tisch haben. Na klar
doch! Das Essen ist superlecker vor allem die Suppe.
Oh, was
für eine schöne Überraschung, da kommt doch gerade der "New Man Walking" die
Royal Mile hoch, und wir dachten schon, den hätten wir verpasst.

Auf unserem Zimmer genießen wir die Pralinen und den Rest Cava von gestern.
02.01.10
Wir erzählen Sharon beim Frühstück von dem Fußballspiel und sie meint, wir hätten
sie doch einfach vorher per mail bitten können, Karten zu besorgen, Micha nickt
bestätigend, hatte er auch schon vorgeschlagen zu Hause. Er möchte gern von ihr wissen, auf welchem Sender denn das Spiel
gezeigt wird, damit er es wenigstens so sehen kann und sie ruft ihren Bruder an
und fragt nach. Der lässt uns wissen, dass das Spiel erst morgen stattfindet. Verschoben???
Gut, dass wir keine Karten bekommen haben, da hätten wir jetzt schön dumm geschaut, denn morgen früh fliegen wir ja schon zurück. Es regnet, also entscheiden wir kurzerhand, unseren geplanten walk durch die New Town
ausfallen zu lassen und wollen stattdessen lieber zur königlichen Jacht Britannia, Sharon gibt
uns noch ein paar Infos, wie wir dahin kommen, welche Buslinie und wo die
Haltestelle ist etc. Jetzt schneit es auch noch, wird ja immer besser. Also machen
wir ganz gemütlich, schauen alles an, hören jede Station des Audioguides (als ob wir das sonst nicht auch machen würden...).

Schlafzimmer der Queen auf der Britannia, angeblich das einzige Schlafzimmer eines regierenden Monarchen, das man besichtigen kann
Wir trinken Tee und heiße Schokolade und Nico isst wieder den obligatorischen Nachmittags-Scone mit clotted cream
und jam im Café auf dem Schiff. Ich glaub das macht sie jetzt hier jeden Tag, um
den scone Mangel auf den London und Dublin Besuchen auszugleichen. (Siehe die Reiseberichte). Von hier oben auf dem obersten Deck der Britannia haben wir durch die großen Scheiben des Cafes eine tolle Aussicht auf den Firth of Forth und die Berge. Ach, und die Brücken können wir von hier aus auch sehen, wie schön, dann kommen wir ja doch noch in den Genuß. Zurück nehmen wir wieder den Bus, allerdings diesmal bis zur Mitte der
Princes Street, denn wir haben uns geeinigt, noch mal ins Standing Order zu
gehen, vielleicht kann Micha ja dort ein FA Cup Spiel sehen. Hm, alles besetzt
als wir ankommen und zu Michas Enttäuschung wird Rugby gezeigt, aber da
Edinburgh gegen Glasgow im Finale von Irgendwas spielt, scheint das wohl spannender für die breite Masse zu sein, als ein englisches FA Cup Spiel.

Irgendwann bekommen wir einen Tisch und auch FA Cup kommt noch auf die Mattscheibe... wir
bleiben ne ganze Weile hier, essen noch was und sind dann gegen 19.30 Uhr bei
schönstem Schneefall wieder im Ramsay’s B&B. Für morgen hat Sharon uns ein
Taxi zur Waverly Bridge bestellt, von wo der Bus zum Flughafen fährt. “Gute
Entscheidung die wir da getroffen haben”, befinden N+M, denn im Schnee die
Strecke in die Stadt, die nur bergauf geht, zu laufen, haben beide keine Lust. Das
mit dem Laufen wär uns ja noch egal, aber bei Schnee sehen wir ja nichts, weil
wir da immer in den Rucksack müssen. Angeblich nur zu unserem Besten sagen N+M
immer, aber wieso eigentlich, wir haben doch Allwetterfell!
03.01.10 Edinburgh → Weeze
Wir frühstücken ein letztes full schottish breakfast, verabschieden uns von Norrie und Sharon und fahren dann mit dem Taxi zur Waverly Bridge, hey halt Bridge nicht Waverly Station. Mist jetzt sind wir im unterirdischen Bahnhof. Der Taxifahrer kann uns nicht wieder nach oben bringen, da auf der steilen Strasse
ein Wagen liegengeblieben ist. Sommerreifen? Wir beiiten ihn uns hier aussteigen zu lassen, damit wir nicht noch unseren Airlinkbus zum Flughafen verpassen. Dumm, dass wir nun aber die Steigung mit der Reisetasche durch den Schnee nach oben stapfen müssen, so was wollten wir eigentlich vermeiden. Daher das Taxi.
Geschafft, wir sitzen im Bus und erreichen pünktlich den Flughafen, perfekt gepackt haben N+M auch, die Tasche wiegt 14,1 kg, exakt unterhalb des 15 kg Limits. Erstaunlicherweise ist es Micha, der diesmal drängelt wir sollten schon mal durch die Sicherheitskontrolle gehen. Das erweist sich als gute Entscheidung, wir brauchen eine halbe Stunde, um hindurch zu kommen. Leute, die eigentlich schon einsteigen sollen (last call), werden merkwürdigerweise vom
Personal nicht vorgelassen. Ach ne, unsere Fluganzeige wechselt auf "wait in lounge" kein gutes Zeichen. Jetzt werden 40 min Verspätung angezeigt, dann ein Gate, dann wieder keines. Hm, wir gehen trotzdem zu dem zuletzt angezeigten Gate, hier steht aber jetzt Dublin dran.... Micha fragt nach und erfährt, dass wir von einem der hier benachbarten Gates abfliegen werden, also Setzen. Mit anderthalb Stunden Verspätung geht es dann endlich los. Daheim erwarten uns auch Schnee und -4°C, wir dürfen erst mal
das Auto vom Schnee befreien, bevor wir Heim fahren können.
Das war ein richtig schönes Silvester, ähm ich meine natürlich: Hog(Bear)manay.